Samstag, 3. Juli 2010

Spüren

Nun hab dich nicht so!
Das ist doch nicht weiter schlimm! Sei nicht so zimperlich! Da muss man halt durch! Anderen geht es auch nicht besser! Du schaffst das schon! Da kann man eh nichts ändern. Nur die Harten kommen durch. Ich muss das noch zu Ende bringen. Das darf nicht wahr sein! Ich kann doch nicht schon wieder müde sein!
Innere Dialoge. Alte Sprüche. Schon gehört? Längst verinnerlicht?
Herrschaftsglaubenssätze, mit denen sich Menschen selbst zum Funktionieren trimmen.
Gegen Müdigkeit einen Kaffee! Schmerzmittel gegen Schmerzen. Bei Sorgen hilft Joggen. sich selbst aufputschen oder sich betäuben.
Nur nichts spüren, was dem Kopf nicht passt! Der Körper soll gehorchen.

Mit eigener Selbstwahrnehmung ist es bei den meisten Menschen nicht weit her.
Identifiziert mit ihren eigenen Gedanken, unreflektiert in ihren Glaubenssätzen, treiben sie sich selbst und einander viel effektiver als die besten Aufseher an. Sogar Vergnügen muss geleistet werden: Das muss man unbedingt gesehen haben! Hast du das etwa noch nicht gelesen? Was? - Du nicht dort! Wir müssen uns mal wieder treffen! Wenn ich bloß mehr Zeit hätte! Ich kann mich nicht zerreißen. Da kann man doch nicht nein sagen! Wie sähe das denn aus?

Wer sich selbst nicht spüren kann, ist unfähig, für sein eigenes Wohl zu sorgen.
Wer auf das eigene Wohl nicht achtet, geht auch unachtsam mit seinen Mitmenschen und mit unserer gemeinsamen Umwelt um.
Süchte machen unsensibel, und damit machen wir die Welt kaputt!

Wer sich selbst nicht wahrnehmen kann, kann die Verantwortung für sich selbst und seine Mitverantwortung für das große Ganze nicht tragen.

Sich spüren:
Wie geht es mir wirklich? Was empfinde ich? Was fühle ich? Was denke ich? Was bilde ich mir vielleicht nur ein? Was ersehne ich mir tief innen?
Wer traut sich an den bewussten Kontakt dazu heran?

Sich selbst spürend, fängt das wahre Menschsein an!